Steinwolle & Hydroponik: Das perfekte Substrat?

hydroponic steinwolle substrat für Hydroponik

Steinwolle in der Hydroponik: Ein beliebtes und dennoch kontroverses Substrat. Es ist das wohl am häufigsten verwendeten Substrat der Hydroponik.

Seine Eigenschaften sind perfekt geeignet für die hydroponische Pflanzenzucht. Dennoch wird Steinwolle von einigen Hydroponik-Gärtnern kritisch gesehen.

Was macht Steinwolle als Substrat so besonders und warum wird Steinwolle kritisiert?

Die folgenden Antworten zeigen Dir, ob Steinwolle wirklich das beste Substrat für Hydroponic ist.

Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren!

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Was ist Steinwolle?

Steinwolle ist eine Mineralwolle aus zerfasertem Gestein.

Die Herstellung erfolgt hauptsächlich in Europa. Die Gesteine Dolomit, Basalt, Diabas, Anorthosit und Spat werden bei 1500 °Celsius verschmolzen und zu Fasern gesponnen.

Es entsteht ein sehr leichtes und weiches Material. Aufgrund seiner positiven Eigenschaften wird es in der Pflanzenzucht als Substrat und im Baugewerbe als Dämmmaterial eingesetzt.

Eigenschaften: Steinwolle als Substrat

Das perfekte Hydroponik-Substrat ist günstig, leicht zu handhaben, pH-neutral, steril und sorgt für eine ausgewogene Luft- sowie Wasserzufuhr.

Abgesehen von seinem hohen pH-Wert (7.5 – 8.5) hat Steinwolle all diese Eigenschaften eines perfekten hydroponischen Substrats:

Steinwolle besteht aus Gesteinen und ist daher anorganisch. Aufgrund hoher Hitzeentwicklung in der Herstellung ist Steinwolle steril – also frei von Keimen und Bakterien.

Seine Struktur aus Gesteinsfasern sorgt für ein Porenvolumen von bis zu 95%. Die Wasser- und Luftspeicherkapazitäten (WHC & AHC) sind entsprechend hoch.

Wie ein Schwamm saugt Steinwolle Wasser auf. Gleichzeitig ermöglichen große Abstände zwischen den Fasern einen ausgewogenen Luft- bzw. Sauerstoffaustausch.

Steinwolle verfügt über eine schlechte Kationenaustauschkapazität (CEC). Somit kann die Wolle keine Nährstoffe einlagern und wieder freigeben. In den meisten Fällen ist dies auch nicht gewünscht.

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Modifizierter Steinwollwürfel für große Pflanzen.

Mineralwolle mit anderen Substraten mischen

Steinwolle ist eines der wenigen Substrate, welches für gewöhnlich nicht mit anderen Substraten gemischt wird. Substrate werden vermischt, um die Eigenschaften der Substratmischung zu verbessern.

Steinwolle hingegen besitzt bereits ausgewogene Eigenschaften. Des Weiteren ist Steinwolle aufgrund seiner fasrigen ineinander verflochtenen Struktur nur schlecht mit anderen Substraten kompatibel.

Falls man Steinwolle dennoch mischen möchte, muss man sie auseinanderbrechen bzw. entfasern, wodurch die positiven Eigenschaften der Steinwolle zerstört werden können.

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Steinwolle mit Kokosfasern gemischt

Für welches Hydroponik-System eignet sich Steinwolle?

Steinwolle ist das einzige hydroponische Substrat, das für jedes Hydroponik-System geeignet ist – bis auf ein Aquaponik-System.

Steinwolle kann in einem Tropfsystem, einem Ebbe- und Flutsystem, einer Tiefwasserkultur, einem NFT-System und einem Dochtsystemen verwendet werden.

Die Fasern der Steinwolle schädigen in einem Aquaponik-System u. a. die Kiemen der Fische.

Die richtige Nährlösung

Bei Kontakt mit der Nährlösung beeinflusst Steinwolle den pH-Wert der Nährstofflösung.

Erst wenn die Nährlösung einige Stunden in dem System zirkuliert bzw. verweilt, sollte der pH-Wert angepasst werden.

Mische zuvor einen guten Hydroponik-Dünger mit Wasser. Für Steinwolle eignen sich mineralische und organische Dünger.

Steinwolle für die Anzucht und Keimung

Steinwolle eignet sich aufgrund seines guten Wasser- und Sauerstoffverhältnisses sowie seiner relativ festen und dichten Struktur gut für die Keimung.

Auch sehr kleine Samen sind gut fixiert und fallen nicht, wie z. B. in Blähton, durch das Substrat hindurch.

Neben Hobbyzüchtern verwendet auch die kommerzielle hydroponische Pflanzenzucht Steinwolle oft als Anzuchtsubstrat für Samen.

Setzen dazu den Samen in oder auf die feuchte Steinwolle.

steinwolle für die Anzucht

Steinwolle in der Hydroponik richtig anwenden

Vor der ersten Nutzung sollte die Steinwolle mit Wasser durchspült und eingeweicht werden.

Wenn die Steinwolle in Deinem Hydroponik-System mit der Nährlösung in Kontakt kommt kann folgendermaßen vorgegangen werden, um Schwankungen des pH-Wertes auszugleichen.

Entweder Du weichst die Steinwollwürfel 24 Stunden in einer pH-Wert regulierenden Lösung ein. Oder Du implementierst – wie oben beschrieben – die Steinwolle direkt in Dein hydroponisches System und lässt die Nährlösung einige Stunden zirkulieren.

Die erste Variante ist die beste, um nachträgliche Schwankungen des pH-Wertes zu vermeiden.

Gesundheits- und Sicherheitshinweise

Informiere Dich vor der ersten Anwendung über die Gesundheitshinweise des Herstellers.

Steinwolle gilt bzw. galt als krebsfördernd und lungenschädigend.

In Deutschland vertriebene Steinwolle ist in der Regel gesundheitlich als unbedenklich einzustufen. Dennoch sollten Vorkehrungen getroffen werden. Das gilt vor allem bei Produkten aus dem Internet.

Trage vorsichtshalber einen Atemschutz, Kleidung mit langen Ärmeln und Handschuhe, damit keine Mikrofasern sich in der Lunge ablagern oder Hautirritationen hervorrufen.

Wer darauf unbedingt verzichten möchte, sollte die Steinwolle vor der Anwendung in Wasser einweichen. Das vermindert die Gefahr herumfliegende Mikrofasern einzuatmen.

Ist Steinwolle ein nachhaltiges Substrat?

Steinwolle ist kein nachwachsender Rohstoff, wie beispielsweise Kokosfasern. Oft landet Steinwolle schon nach einmaliger Anwendung im Müll, weil es stark durchwurzelt oder versalzen ist.

Steinwolle ist also kein nachhaltiges Substrat und gerät dadurch in die Kritik.

Um dennoch Steinwolle möglichst lange verwenden zu können, kannst Du folgendes tun:

Steinwolle, die nicht zu stark durchwurzelt ist, kann mit Wasser und Bleichmittel bei einem Verhältnis von 1: 100 sterilisiert werden. Anschließend die Steinwolle mit destilliertem Wasser durchspülen und trocknen.

Je nach Verwendung kann Steinwolle bis zu drei Saisons halten. Anschließend kann die Steinwolle geschreddert und mit Kokosfasern oder Torfmoos gemischt und weiterverwendet werden.

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