Substrate für Hydroponik | GUIDE |

hydroponik substrate oder substrat der hydroponic

Ein Substrat der Hydroponik fixiert die Pflanze und beinhaltet keine Nährstoffe.

Bei den unterschiedlichen Substraten geht die Übersicht schnell verloren. Daher folgt nun ein Überblick über die gängigen Substrate. Doch zu Beginn wichtiges Grundwissen.

Das beste Substrat

Bis heute gibt es kein perfektes Substrat. Jedes Substrat hat Vorteile und Nachteile.

Daher eignet sich nicht jedes Substrat für jedes Hydroponik-System. Ebenso kann nicht jedes Substrat für jede Pflanze benutzt werden.

Das mag erstmal alles sehr kompliziert klingen. Das ist es aber nicht. Die Eigenschaften der Substrate sind nämlich hinlänglich bekannt. Diese sind im nächsten Kapitel aufgelistet. Lerne jedoch vorher was ein gutes Substrat ausmacht.

Wenn es ein perfektes Substrat gäbe, würde dies

  • günstig sein,
  • pH-Neutral sein,
  • umweltfreundlich sein,
  • leicht und handlich sein,
  • für alle Systeme anwendbar sein,
  • eine hohe Kationenaustauschkapazität aufweisen,
  • und eine ausgeglichene Sauerstoff-, Nährstoff- und Wasserversorgung gewährleisten.

Kein Substrat erfüllt all diese Kriterien. Deswegen werden oftmals Substrate miteinander vermischt. Auf diese Weise ergänzen sich die Substrate.

Aufgepasst! Lies dir diese Boxen durch, wenn du möglichst viel aus diesem Beitrag mitnehmen möchtest. Denn diese drei Begriffe sind vorab zu klären:


Luftkapazität (LK)

Beschreibt die Fähigkeit des Subsrates Luft und damit Sauerstoff einzuspeichern. Dies ist abhängig vom Porenvolumen und der Porosität.

Wasserkapazität (WK)

Beschreibt die Fähigkeit des Substrates Wasser einzuspeichern.

Kationenaustauschkapazität (KAK)

Einfach ausgedrückt beschreibt die Kationenaustauschkapazität die Fähigkeit eines Substrates Nährstoffe einzuspeichern um diese bei Bedarf wieder abgeben zu können.

Dies ist von großer Bedeutung, weil das Pflanzenwachstum durch einen moderaten CEC-Wert gefördert wird. Falls du mehr Wissen möchtest klicke auf diesen Wikipedia-Artikel.


Hydroponik Substrate im Überblick

Im Folgenden sind die bekanntesten Substrate der Hydroponik und ihre Eigenschaften aufgelistet.

Kokosnussfasern

Kokosfasern als geeignetes Substrat der Hydroponik

Kokosnussfasern (engl. Coconut Fiber, Coconut Coir) stammen von der Nussrinde und sind ein Abfallprodukt der Kokosnussindustrie. Die Kokosnussfaser wird häufig als Substrat in der Hydroponik verwendet.

Sie eignen sich sehr gut für die Hydroponik, weil sie viel Wasser einspeichern, reaktionsträge sind und einen fast neutralen pH-Wert haben. Zudem schützt das ausgewogene Wasser-Luft-Verhältnis die Pflanze vor dem austrocknen.

Kokosfasern sind organisch und deswegen umweltfreundlich. Nach der Verwendung können die Fasern einfach kompostiert werden.

Um die Wassereinlagerung zu mindern und die Sauerstoffzufuhr zu erhöhen, können Kokosfasern mit Perlit oder Tonperlen gemischt werden (Verhältnis 1:1).

Kokosfasern eignen sich für Tropfsysteme, Aquaponiksysteme, Ebbe- und Flutsysteme und Dochtsysteme.

Vorteile

  • speichert viel Wasser
  • gut für die Keimung
  • umweltfreundlich

Nachteile

  • tendiert zu hoher Feuchtigkeit
pH-Wert5.5 – 6.5
Verbindungorganisch
WKhoch
LKmittel
KAKmittel

Perlit

Perlit als geeignetes Substrat für die Hydroponik

Perlit (engl. Perlite) ist ein alteriertes vulkanisches Glas (Obsidian). Häufig ist Perlit als kleine weiße Kiesel in Blumenerde zu finden.

Der große Vorteil von Perlit ist die exzellente Entwässerung. Dementsprechend speichert Perlit nur geringe Mengen an Wasser ein. Dafür werden die Wurzeln jedoch sehr gut mit Sauerstoff versorgt.

Nachteilig ist hingegen die geringe Wasserkapazität von Perlit. Um diese zu optimieren wird Perlit häufig mit Vermiculit gemischt (Verhältnis 1:1).

Des Weiteren ist Perlit pH-neutral und reaktionsträge und anorganisch.

Perlit eignet sich für Tropfsysteme, Aeroponik-Systeme, Tiefwasser-Kulturen und Ebbe- und Flutsysteme geeignet.

Vorteile

  • hohe Sauerstoffversorgung
  • sehr gute Entwässerung
  • leicht
  • pH-neutral

Nachteile

  • geringe Wassereinlagerung
pH-Wertneutral
Verbindunganorganisch
WKniedrig
LKhoch
KAKniedrig

Vermiculit

Vermiculit als geeignetes Substrat der Hydroponik

Vermiculit ist ein Schichtsilikat. Dies wird erhitzt und erhält dadurch sein großes Volumen und seine wurmartige Struktur.

Als Substrat für die Hydroponik eignet sich Vermiculit aufgrund seiner Fähigkeit viel Wasser zu speichern. Nachteilig ist die relativ geringe Luftkapazität.

Wird Vermiculit alleine als Substrat verwendet können die Wurzeln schnell verrotten. Daher empfiehlt sich Vermiculit mit Perlit zu mischen (Verhältnis 1:1), weil Perlit die Entwässerung fördert.

Zudem ist Perlit fast pH-neutral, steril und reaktionsträgem, was die Handhabung mit der Nährstofflösung vereinfacht.

Wenn Vermiculit beispielsweise mit Perlit gemischt wird, kann das Substrat in Tropfsysteme, Ebbe- und Flutsysteme und Aeroponik-Systeme verwendet werden.

Vorteile

  • hohe Wassereinlagerung
  • gute Nährstoffspeicherkapazität

Nachteile

  • schlechte Entwässerung
pH-Wert7,5
Verbindunganorganisch
WKhoch
LKniedrig – mittel
KAKmittel

Blähtonkugeln/Pflanzton

Blähtonkugeln als Substrat für die Hydroponik

Pflanzton, Blähton bzw. Tongranulat stammt aus erhitztem kalkarmem und eisenhaltigem Ton. Hydroton ist bekannt aus der Hydrokultur und ist grundlegend anorganisch. Jedoch sind auch organische Teile vorhanden.

Für die Hydroponik ist Hydroton wegen seiner hohen Luftkapazität ein beliebtes Substrat. Zwischen den Partikeln ist viel Platz für Sauerstoff. Die Wurzeln können sich leicht ausbreiten und sind schwierig zu überwässern.

Blähton ist steril, anorganisch und pH-neutral.

Blähton ist für Ebbe- und Flutsysteme, Tropfsysteme, Aquaponik-Systeme und Tiefwasser-Kulturen geeignet.

Vorteile

  • pH-neutral
  • wiederverwendbar
  • hohe Sauerstoffzufuhr

Nachteile

  • trocknet schnell aus
  • relativ hohes Gewicht
pH-Wertneutral
Verbindunganorganisch
WKniedrig
LKhoch
KAKniedrig

Steinwolle

Steinwolle als geeignetes Substrat der Hydroponik

Ursprünglich ist Steinwolle als Dämmstoff bekannt. Steinwolle (engl. Rockwool) besteht aus geschmolzenen sowie zerfasertem Gestein. Steinwolle hat viele positive Eigenschaften, aber auch gravierende Nachteile.

Steinwolle verfügt nämlich über ein ausgesprochen gutes Luft-Wasser-Verhältnis. Die Fasern speichern viel Wasser und Luft. Die Wurzeln bleiben somit feucht und sind mit Sauerstoff versorgt.

Vorteilhaft ist des Weiteren die leichte Handhabung, denn Steinwolle ist steril, leicht und hat eine Kationenaustauschkapazität von null. Zudem eignet sich Steinwolle für jedes Hydroponik-System – bis auf Aquaponik.

Die gravierenden Nachteile sind ökologischer und gesundheitlicher Art. Steinwolle ist nicht biologisch abbaubar. Darüber hinaus können die Fasern die Atemwege und die Haut schädigen.

Ebenso hat Steinwolle einen hohen pH-Wert. Daher muss die Steinwolle vor der Anwendung in die Nährstofflösung getaucht werden. Der pH-Wert muss dann angepasst werden.

Um gesundheitliche Schäden zu vermeiden, sollte die Steinwolle feucht sein, damit keine Fasern herumfliegen können.

Vorteile

  • leicht in der Handhabung
  • sehr gutes Wasser-Luft-Verhältnis

Nachteile

  • nicht biologisch abbaubar
  • kann ggf. gesundheitsschädlich sein.
pH-Wert8
Verbindunganorganisch
WKhoch
LKmittel
KAKniedrig

Kokoschips/Kokosgranulat

Kokoschips bzw. Kokosgranulat stammen von der Kokosnussrinde. Der Unterschied zu den Kokosfasern besteht in der Größe der Partikel. Anders ist daher auch das Luft-Wasser-Verhältnis.

Weil Kokonussschips bzw. Kokosnussgranulat relativ grobkörnig sind, werden die Wurzeln sehr gut mit Sauerstoff versorgt. Das hat wiederum eine schlechte Wassereinlagerung zur Folge.

Hervorzuheben ist jedoch die moderate Kationenaustauschkapazität. Dementsprechend können Nährstoffe gut aufgenommen und bei Bedarf wieder abgeben werden. Dies ist ebenfalls für die Keimung hilfreich. Bei der Größe der Partikel jedoch nicht empfehlenswert.

Vorteile

  • speichert Nährstoffe
  • gute Luftzufuhr

Nachteile

  • schwimmt sehr leicht
  • trocknet schnell aus
pH-Wert5,5 – 6,5
Verbindungorganisch
WKniedrig
LKhoch
KAKmittel

Sand

Es ist wahrscheinlich das älteste Substrat der Hydroponik. Sand war neben Kies das erste Substrat der Hydroponik. Mittlerweile gibt es bessere Substrate. Heutzutage wird Sand meistens nur noch bei größeren Pflanzen oder Bäumen als Substrat eingesetzt.

Sand ist sehr günstig oder kostenlos verfügbar. Wer schnell und unkompliziert ein Substrat braucht, für den ist Sand genau richtig.

Jedoch speichert Sand schlecht Luft und relativ wenig Wasser ein. Um die Luftspeicherkapazität zu erhöhen kann Sand mit Perlit oder Blähton gemischt werden. Ebenso sollte beim Kauf auf eine große Körnung geachtet werden, um die Lufteinschlüsse zu erhöhen.

Neben dem hohen Gewicht ist ebenfalls die Anwendung nachteilig. Vor der Verwendung muss der Sand gründlich abgespült und sterilisiert werden, um alle Staubpartikel und organische Anteile zu entfernt.

Für Anfänger sind deswegen „leichtere“ Substrate wie Steinwolle oder Kokosnussfasern besser geeignet, weil diese Fehler im Anbau besser tolerieren und leichter in der Handhabung sind.

Sand eignet sich für Tropfsysteme und Ebbe- und Flutsysteme.

Vorteile

  • günstig

Nachteile

  • schwer
  • umständlich in der Handhabung
pH-Wertabhängig vom Mineralgehalt
Verbindunganorganisch
WKmittel
LKniedrig
KAKniedrig

Kies

Kies (engl. gravel) ist im Grunde grobkörniger Sand. Ursprünglich wurde Kies aufgrund seiner guten Entwässerung viel in Ebbe- und Flutsystemen eingesetzt – bis heute.

Aufgrund seiner relativ großen Partikeln gelangt viel Luft bzw. Sauerstoff in die Zwischenräume. Das ist zwar gut für Luftzufuhr, hat jedoch zur Folge, dass Wasser schlecht gespeichert wird und schnell abläuft.

Bei Kies besteht somit die Gefahr, dass die Wurzeln zu wenig Wasser bekommen und schnell austrocknen. Dies kann jedoch für Pflanzen aus trockenen Klimazonen von Vorteil sein.

Kies kann sterilisiert und deswegen wiederverwendet werden. Zudem ist es günstig bzw. kostenlos. Beim Systemaufbau muss das hohe Gewicht der Kieselsteine berücksichtigt werden.

Vorteile

  • günstig oder kostenlos
  • gut für Ebbe- und Flutsysteme
  • gut zum ausprobieren

Nachteile

  • schwer
  • trocknet schnell aus
pH-Wertabhängig vom Mineralgehalt
Verbindunganorganisch
WKniedrig
LKhoch
KAKniedrig

Holzspäne

Holzspäne bzw. Hobelspäne können ebenfalls als ein Substrat der Hydroponik verwendet werden. Aufgepasst, verwechsel Hobelspäne nicht mit Sägespäne. Sägespäne ist deutlich feiner und würde mit Wasser zu fest werden.

Umso gröber die Hobelspäne sind, desto besser ist die Belüftung der Wurzeln. Späne können relativ gut Wasser speichern. Diese sollten jedoch nicht dauerhaft im Wasser liegen, weil diese sonst verrotten. Achte daher immer auf eine gute Entwässerung (beispielsweise beim Ebbe- und Flutsystem).

Am besten kann man Holzspäne in der Zoohandlung oder im Futterhaus kaufen. Kaufe dabei nur zu 100% organische Späne, ohne sonstige chemische Zusätze.

Vorteile

  • organisch
  • günstig bzw. kostenlos

Nachteile

  • kann Schädlinge verursachen
  • verrottet mit der Zeit
pH-Wertneutral
Verbindungorganisch
WKmittel
LKmittel
KAKmittel

Reishülsen

Ein organisches und nachhaltiges Substrat sind Reishülsen. Diese ummanteln den Reis und sind ein Abfallprodukt der Reisindustrie.

Es sollte nur die Reishülsen von Paraboiled-Reis verwendet werden, weil diese steril und frei von Schädlingen sind. Beim Paraboiling handelt es sich um ein industrielles Verfahren, bei dem der Reis vorgekocht wird. Dabei werden alle schädlichen Bakterien und Organismen abgetötet.

Der pH-Wert von paraboiled Reis liegt zwischen 5,5 und 6,5. Diese Spanne ist für die meisten Pflanzen in der Hydroponik perfekt.

Die Reishülsen können nach der Verwendung einfach kompostiert werden.

Vorteile

  • gute Entwässerung
  • zersetzt sich relativ langsam
  • kompostierbar

Nachteile

  • relativ hoher Mangangehalt. (unproblematisch solange der pH-Wert über 5.5 liegt)
  • kann nicht wiederverwendet werden
  • muss regelmäßig erneuert werden
pH-Wert5,5 – 6,5
Verbindunganorganisch
WKniedrig
LKhoch
KAKniedrig

Weitere Substrate

Es gibt unzählige hydroponische Substrate. Die Alternativen sind unzählig.
Dazu zählen beispielsweise Torfmoos, Kunststoff, SteadyGro, Growstones, Starter Plugs, Bimsstein, zerbröselte Ziegelsteine, keramische Substrate, Styroporchips und Oasis Cubes.

Erzähl uns in dem Kommentaren welches Substrat dich am meisten interessiert und zu welchem Substrat du mehr Informationen wünschst.

Fazit

Substrate fixieren die Pflanzen und verfügen über keine Nährstoffe.

Weil Substrate den pH-Wert der Nährstofflösung beeinflussen können, ist es wichtig diesen zu kennen.

Des Weiteren unterscheiden sich Substrate hinsichtlich ihrer Wasserkapazität (WK) und Luftkapazität (LK) sowie Kationenaustauschkapazität (KAK).

Das Substrat kann an die Pflanzen und das System angepasst werden, indem dies mit anderen Substraten gemischt wird.

Um die Auswahl zu erleichtern, sind die meisten Substrate nochmal in der Tabelle aufgelistet

Falls du diesen Beitrag gerade auf einem mobilen Endgerät anschaust, drehe dein Gerät um die folgende Tabelle besser lesen zu können.

SubstratVerbindungpH-W.WKLKKAK
Perlitanorganischneutralniedrighochniedrig
Steinwolleanorganisch8hochmittelniedrig
Vermiculitanorganisch7,5hochniedrig-mittelmittel
Kokos-Chips-/Granulatanorganisch5.5 - 6.5niedrighochmittel
Kokosfasernorganisch5,5 - 6,5hochmittelmittel
Lehmkugeln / Tonkieselanorganischneutralniedrighochniedrig
Torforganisch3,5 - 4.5hochmittelhoch
Sandanorganischabhängig vom Mineralgehaltmittelniedrigniedrig
Holzspäneorganisch≈ 4 - 5.5mittelmittelmittel
Kiesanorganischabhängig vom Mineralgehaltniedrighochniedrig
Reishülsenorganisch5,5 - 6,5niedrighochniedrig


Weiterführende Literatur und Quellen

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